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Borschtsch, Bördespeck und Bautz’ner Senf
Michael und Brigitte Kötz verkaufen Ossiware - Nostalgieprodukte finden ihre Käufer
„Nein, Ossiware ist kein Schimpfwort. Ostprodukte haben auch im Westen ihre Käufer.“ Auf dem Lauterer Wochenmarkt bietet Michael Kötz (58) zusammen mit Ehefrau Brigitte (54) seit 1995 Produkte aus dem Osten an. Gurkenliebhaber zieht es alle 14 Tage dienstags zum „Spreewaldstand“. Dann sind die Holzfässer wieder mit sauren Leckerbissen in verschiedenen Geschmacksrichtungen gefüllt. „Wer einmal von den Gurken probiert hat, der kann es nicht mehr lassen“, schwärmt Michael Kötz von den eingelegten süßsauren Gartenerzeugnissen. Mal gibt es sie mit Pfeffer, mal mit Knoblauch verfeinert. Geschält werden die kleinen eingelegten Grünlinge als Senfgurken angeboten. „Auch Salzgurken sind sehr gefragt.“
Neben Gurken finden sich in den Auslagen von Michael Kötz allerhand Konserven und Feinkost. Beispielsweise Bautz’ner Senf. Er sei allgemein der Beste, ist der Händler überzeugt. „Wer einmal Bautz’ner Senf probiert hat, bleibt beim Bautz’ner.“ Das Leinöl in kleinen Flaschen stammt aus der Lausitz. Es eigne sich gut zu Pellkartoffeln mit Quark. Was Michael Kötz an seinem Stand verkauft, hat er alles probiert und für gut befunden. „Kein Produkt, das ich nicht probiert habe“, so der gelernte Feinmechaniker, der später mehrere Jahre als Reiseleiter bei einem großen deutschen Reiseunternehmen tätig war.
Über jedes seiner Produkte weiß er etwas zu erzählen. Er lobt Schmalzfleisch und Grüzblutwurst, Tellersülze und Rotwurst, Halberstädter Bockwürste, Rinderrouladen und Kassler. „Wer zu bequem ist, Rouladen selbst zu kochen, der ist mit meinen Rouladen in Dosen gut bedient.“ Borschtsch, eine Art russische Gemüsesuppe mit Roter Beete, ist ebenso im Angebot wie Bördespeck, ein geräucherter Käse nach Gouda-Art oder der Harzbube, ein Bauernhandkäse mit Edelschimmel. „Heute gehen selbst viele Ostdeutschen wieder zurück zu ihren alten Produkten, einfach weil sie besser sind.“
Doch nicht nur Saures und Herzhaftes findet sich am Spreewaldstand. Marmelade und Konfitüren, rote und gelbe Grütze sowie „Mühlhäuser Honig“ aus Thüringen haben in den Auslagen ihren Platz. Auch Naschkatzen kommen auf ihre Kosten. „Natürlich hat es Nudossi gegen Nutella nicht leicht“, räumt der Händler ein. „Ist aber besser“, bricht er eine Lanze für die Ossiware. Geradezu eine Renaissance erlebten die Halloren, Nachbildungen von Trachtenknöpfen der Salzbergwerker, die als Süßigkeiten in Form kleiner Mohrenköpfe angeboten werden. „Sie kommen aus Deutschlands ältester Schokoladenfabrik Halloren in Halle.“
Michael Kötz stammt aus Leipzig. In München hat er seine Lehrjahre verbracht. Seit 1984 wohnt er in Neustadt an der Weinstraße. Da im Reisegeschäft wenig zu verdienen sei, ist er dem Rat eines Freundes gefolgt und hat sich mit „Nostalgieprodukten“ selbstständig gemacht. „Der Laden läuft“, sagt Kötz. Mit seinen Produkten ist er auch auf Märkten in Frankfurt, Karlsruhe, Ludwigshafen und Neustadt vertreten. Im Gegensatz zu Baden-Württemberg hätten die Märkte in der Pfalz an Attraktivität eingebüßt. „Dazu gehört auch der Lauterer Wochenmarkt.“
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